Poststelle Braunwald: 40 Briefe am Tag sind wenig

Die Tageszeitung Die Südostschweiz berichtet über die Orientierungsveranstaltung der Post vom 26.9.2017:

Kampf um die Poststelle

Weil die Poststelle Braunwald immer weniger genutzt wird, drängt sich aus Sicht der Post eine neue Lösung auf. Favorisiert wird eine Filiale mit Partner (Postagentur). Am Dialoganlass vom Dienstagabend hat es heftigen Gegenwind von rund 60 Einheimischen gegeben.

 

On- oder offline? Brief oder Whatsapp? Cash oder Karte? Unser Alltag hat sich verändert – und auch die Post muss sich mit den neuen Bedürfnissen wandeln. Am Dialoganlass in der Tödihalle Braunwald zeigen die Post-Vertreter Bruno Bleisch, Spezialist Netzentwicklung, Thomas Simeon, Leiter Region Südostschweiz, und David Baumgartner, Leiter Briefzustellregion Siebnen, die harte Realität auf.

Nutzung ist stark rückläufig

Schweizweit verzeichneten die Postschalter in den vergangenen 16 Jahren 65 Prozent weniger Briefe, 46 Prozent weniger Pakete und 40 Prozent weniger Einzahlungen. In den nächsten dreieinhalb Jahren wird das Postnetz deshalb umgebaut. 500 bis 600 Poststellen werden umgewandelt in Postagenturen.

Diese Entwicklung macht auch vor dem Glarnerland nicht Halt. Bis 2020 sind fünf Postfilialen garantiert (Schwanden, Glarus, Netstal, Näfels und Niederurnen). Überprüft werden Mollis, Linthal und Braunwald. Für Mollis ist der Entscheid gefallen: Dort wird Mitte Oktober eine Postagen- tur eröffnet. In Linthal wird am 5. Oktober informiert.

Braunwald verzeichnete von 2010 bis 2016 22 Prozent weniger Einzahlungsbelege, 36 Prozent weniger Briefe und 21 Prozent weniger Pakete. Pro Tag gibt es durchschnittlich 21 Einzahlungsbelege, neun Sendungsabholungen, 40 Briefe und fünf Pakete. «Die Nutzung der Filiale Braunwald ist stark rückläufig und auf einem sehr tiefen Niveau. Die Poststelle kann nicht wirtschaftlich betrieben werden. Eine neue Lösung drängt sich auf», sagt Thomas Simeon am Dialoganlass. Man habe lange zugewartet. «Aber mit diesem Volumen können wir nicht mehr so weiterfahren.»

Ein Entscheid sei noch nicht gefallen – auch wenn dies auf einer Folie so steht. Angedacht sind laut Bruno Bleisch zwei Modelle: Postagentur (Filiale mit Partner) oder Hausservice. Die Post favorisiert für Braunwald die erste Variante, weil diese der Nachfrage entspreche und lange Öffnungszeiten der Kundschaft entgegenkä-men. Sie habe aber noch nicht mit möglichen Agenturpartnern gesprochen. Infrage kämen zum Beispiel Geschäfte, die Tourismusorganisation oder Hotelreceptionen.

Einschränkungen gibt es bei der Agenturlösung beim Zahlungsverkehr: Einzahlungen können nur bargeldlos getätigt werden, und Geld- bezüge sind mit der Postfinance Card nur bis maximal 500 Franken möglich. Garantiert sind sogar nur 50 Franken.

Grosser Widerstand in der Bevölkerung zu spüren

Letzteres ist denn auch ein Kritikpunkt in der anschliessenden Diskussion mit den rund 60 Anwesenden. Der Widerstand ist gross, zu hören sind nur ablehnende Voten. Die Information sei befremdend, erzählt würden Halbwahrheiten, die Post käme mit einer Standardlösung und nehme keine Rücksicht auf die besonderen Gegebenheiten von Braunwald als Tourismusort, wird argumentiert. Nebst Bareinzahlung wäre auch Geldwechsel nicht mehr möglich – obwohl Braunwald internationale Gäste beherbergt. Eine Bank gibt es schliesslich nicht mehr. «Die Abwärtsspirale dreht sich weiter», so ein Zuhörer.

Was passiere, wenn der Partner plötzlich aussteige, wird gefragt. Dann käme als Übergang der Hausservice zum Zug, wobei die Zustellung laut David Baumgartner immer garantiert bleibe: «Wir haben gute Leute.»

Dass ein Partner in Spitzenzeiten wie im Februar noch Postgeschäfte abwickeln könne, bezweifelt ein Geschäftsinhaber. «Die Spitze können wir nicht brechen, das ist so. Aber es läuft vieles in Selbstbedienung in der Agentur», meint Thomas Simeon dazu.

Und was sagt die Gemeindebehörde? Diese steht seit März 2017 im Dialog mit der Post und hat Mitte Juli die Petition «Unsere Post muss bleiben» übergeben. Laut Gemeinderat Hans-Heinrich Wichser ist der Rat «unisono nicht erfreut über die Botschaft». Aber die Post sei ein eigenständiges Unternehmen, und es sei schwierig, im Vorfeld Sachen auszuhandeln. Die Gemeinde habe aber die Möglichkeit, einen allfälligen Entscheid überprüfen zu lassen. «Wir hoffen, dass wir eine Lösung finden werden», so Hans-Heinrich Wichser.

 

Quelle: Südostschweiz | 28.9.2017 | https://www.suedostschweiz.ch/wirtschaft/2017-09-28/kampf-um-die-poststelle

 

Siehe dazu auch die frühere VAL-eInfo-Mitteilung unter http://val-braunwald.ch/26-9-2017-post-in-braunwald-dialoganlass-infoveranstaltung.