Maskentragen in der Braunwaldbahn – die Sicht einer einheimischen Braunwalderin

Nina Brunner wohnt mit Familie in Braunwald und pendelt zur Arbeit ins Unterland. Sie hat uns ihren Standpunkt mitgeteilt:

Liebe Leserinnen und Leser

[17.12.2020] Ich habe eigentlich keine «kurze Zündschnur». Sie verliert jedoch mit jeder kurzen Fahrt in der Braunwaldbahn etwas an Länge, worauf ich, jeweils mit einer Mischung aus Unverständnis, Wut und Enttäuschung, durch den Schnee nach Hause stapfe. Der Winter ist da und mit ihm hat sich die Pandemie verschärft. Der Winter ist da und mit ihm kommen auch die Touristen, die für unser Bergdorf wichtig sind.

Wie Sie bestimmt wissen, ist die Standseilbahn ein einzigartiges Nadelöhr, die alternativlose Transportmöglichkeit zwischen Tal und Berg. Zu dieser Jahreszeit fällt auch der steile Fussweg als Ausweichmöglichkeit weg.

Leider bin ich als Berufspendlerin zum wiederholten Mal Zeugin davon geworden, wie einzelne Mitfahrende die Maske abnehmen, sobald sie das Drehkreuz und somit die Kontrollblicke der Bahnverantwortlichen hinter sich gelassen haben. Es gibt Personen, die bei der Arbeit eine Maske tragen, in der Bahn jedoch – mutmasslich aus ideologischen Gründen – darauf verzichten. Also habe ich bei den Bahnbetreibern ein paar Fragen deponiert, wollte u.a. wissen, wann die Maskenpflicht konsequent durchgesetzt werde.

Ich habe detaillierte und nachvollziehbare Antworten auf meine Fragen erhalten. Ein Punkt gab mir jedoch zu denken: Ich wurde auf einen Zeitungsartikel hingewiesen, in dem eine Betroffenenorganisation darum bitte, bei Personen ohne Maske von einer Behinderung auszugehen. Ich gehe zunächst immer davon aus, dass Menschen ohne Maske eine gesundheitliche Begründung haben. Das Phänomen der selektiven Teilzeitbehinderung wäre mir jedoch neu. Auch dünkt es mich bemerkenswert, wenn bekanntermassen sportliche Familien in corpore von einem gesundheitlichen Problem im Zusammenhang mit dem Tragen der Maske betroffen sind.

Machen wir uns doch nichts vor! Es gibt Verweigerer und gerade diese schaden auch den Menschen mit Behinderung, welche sich eben nicht selbst mit einer geeigneten Maske schützen können. Wir alle sind derzeit mitverantwortlich für das Wohlergehen unserer Mitmenschen. Das verstehe ich unter Eigenverantwortung und ich nehme sie gerne wahr. Hätte es keinen Effekt auf die Gemeinschaft, wäre es nicht gefährlich, so wäre es lediglich ungemein lächerlich, sich für eine Fahrt von läppischen sieben Minuten gegen die Maskenpflicht zu stellen.

Gerade wir DorfbewohnerInnen sollten auch Vorbild sein für die Besucher aus dem Tal und den Städten, die in den kommenden Wochen in der Bergidylle buchstäblich aufatmen wollen. Das Virus fährt nicht nur im Auto mit. Es macht also auch vor dem autofreien Braunwald nicht halt. Ich danke all jenen, die weiterhin am selben Strick ziehen. Also den Allermeisten. Ich danke den Gewerbetreibenden, den Lehrkräften, den Transporteuren und mit Nachdruck auch den Zuständigen bei unseren Bahnen, die uns nicht nur «hinterherdesinfizieren», sondern seit Monaten auch täglich unser aller Emotionen auffangen müssen, egal aus welcher Richtung diese auf sie einprasseln.

Und ich danke den Jüngsten im Dorf, die schon im Kindergartenalter mehr zu begreifen scheinen, als manch Erwachsener mit höherer Bildung. Merci all jenen, die sich nicht nur auf ihren gesunden Menschenverstand berufen, sondern auch Sachverstand beweisen.

Nina Brunner, Braunwald