Die Bergschule Braunwald bleibt erhalten

Die Gemeindeversammlung Glarus Süd vom 24.11.2017 will auch im zweiten Durchgang die Schulen nicht vermehrt konzentrieren:

Glarus Süd behält alle Schulen

Die Gemeindeversammlung von Glarus Süd hat am Freitagabend zum zweiten Mal über die Standorte seiner Schulen beraten. Der Gemeinderat drang mit seiner Vorlage nicht durch, die Einsparung von 1,1 Millionen pro Jahr zog nicht.

 

Volle Reihen in der Sporthalle in Schwanden, 958 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger hat die Diskussion über die Schulstandorte mobilisiert.

Heinz Kindlimann (Schwanden) wollte eine klare Verbindung zu Budget und Steuerfuss herstellen. Die Schulvorlage solle zuerst behandelt werden, stellte er als Ordnungsantrag. Denn, wenn die Konzentration der Schulstandorte abgelehnt würde, lasse sich mehr als eine Million Franken nicht einsparen: «Dann würde ich beim Steuerfuss-Traktandum eine Erhöhung um drei Steuerprozente beantragen, um dies zu kompensieren.» Doch die Gemeindeversammlung ändert die Reihenfolge nicht, vielleicht auch darum, weil Gemeindepräsident Mathias Vögeli sagt, die allfällige Einsparung käme ohnehin erst 2019 ins Budget. Daraus wird nichts, während alle anderen Vorlagen unverändert passierten (siehe Box).

800 Kinder weniger als 1999
Die Schulvorlage zu vertreten hatte Gemeinderat Hansueli Rhyner, einst Gegner der ersten Abbaupläne von 2013 und im Zug seines Engagements in den Rat gewählt. Rhyner betonte die Notwendigkeit zu sparen, mit rund 1,1 Millionen könne die Vorlage einen grossen Beitrag zur Senkung des chronischen Defizits leisten. Eine Standortlösung, die zum Finanzrahmen der Gemeinde passe, sei ja auch der Auftrag, den die Gemeindeversammlung 2013 erteilt habe.

Rhyner hob hervor, dass sich die Kinderzahl in Glarus Süd in den knapp 20 Jahren seit 1999 auf nur noch 800 Kinder halbiert habe. Zuletzt rief er dazu auf, einen Entscheid zu fällen und damit die Unsicherheit für rund 150 Lehrpersonen zu beenden: «Eine Umstrukturierung kostet viel Substanz, und hier dauert sie seit acht Jahren.»

Maja Luchsinger (Haslen) stellte namens der IG Schulen den Antrag, alle Schulstandorte zu behalten. Unterstützt wurde sie von Barbara Rhyner (Elm, namens der SVP) und Stefan Trümpi (Sool). Schulen seien entscheidend für die Wohnqualität und für den Entscheid, neue Wohnbauten zu erstellen, so Bauunternehmer Trümpi. Dies ebenso, wenn sich die Frage nach Firmenstandorten stelle. Da sei die Frage: «Was habt ihr denn zu bieten in Glarus Süd?» Mehrere Investoren bauten bereits wieder in Glarus Süd, es sei möglich, neue Leute anzuziehen. Trümpi zeigte sich überzeugt, dass die Schülerzahlen wieder steigen würden.

«Steuerhölle» macht keine Angst
Engagiert und kurz hielten Rafaela Hug (Schwanden), Kurt Staiger (Rüti) und Hans-Jörg Marti (Nidfurn) zum Gemeinderat, allerdings vergeblich. Die Zusammenlegungen seien eben gerade dazu nötig, die Qualität der Schulen zu sichern, argumentierte Hug und rief auf: «Machen Sie keine Betroffenheitspolitik, sondern folgen Sie der Vernunft.» Steiger mahnte, Glarus Süd gehe ohne die Schulstandortreform «in Richtung Steuerhölle». Dies und nicht die längeren Schulwege würde Familien vom Zuzug abschrecken. Vom Kanton und den anderen Gemeinden sei kein zusätzliches Geld für das hier verursachte Defizit zu erwarten. Ja, der Entscheid könnte einen Einfluss auf die Bereitschaft der Landsgemeinde zum Finanzausgleich in Richtung Glarus Süd haben, so Gemeinderat Hansueli Rhyner mahnend.

Doch die Appelle brachten keinen Stimmungsumschwung, so wenig wie Hans-Jörg Martis Mahnung, sowohl Glarus Süd wie der Kanton bräuchten das Geld, das hier eingespart werden könne, für etliche neue Projekte wie die Rettung der Sportbahnen, die Lintharena und die neue Braunwaldbahn. Doch mit einer Mehrheit von fast drei Vierteln lehnte die Versammlung es ab, an den Schulstandorten von heute etwas zu ändern.

25.11.2017, Fridolin Rast | https://www.suedostschweiz.ch/politik/2017-11-25/glarus-sued-behaelt-alle-schulen